» Startseite    » News    » Stücke in Arbeit    » Chronik    » Presse-Archiv    » Links    » Kontakt & Impressum   

Login:

Nickname:

Passwort:


::
[ anmelden ]





 
 Chronik

 Das Dorf schläft ein - die Werwölfe erwachen » zurück zur Gesamt-Liste 
Autor: Eigenproduktion
Regie: Steffi Bittner, Jona Fragner
Aufführungsort: Bammental, Multifunktionsgebäude
Zeitraum: 2026-07-22 bis 2026-07-26

» Kritik
» Bildergalerie (1)
 


 Kritik 
(Rhein-Neckar Zeitung, 24.07.2026)

Ein Dorf spaltet sich

Theater-AG des Gynasium führt mit "Goukelkappe" selbst entwickeltes Stück auf

Bammental. In Bammental wird derzeit ein „Dorf" zum Spiegel der Gegenwart: „Das Dorf schläft ein - die Werwölfe erwachen" heißt das Stück der Mittel- und Oberstufen-Theater-AG des Gymnasiums Bammental. Die Aufführung fand in Kooperation mit dem Theaterverein Goukelkappe unter der Regie von Steffi Bittner und Joana Fragner statt. Die Eigenproduktion wird auch an diesem Freitag und Sonntag, 24. und 26. Juli, jeweils ab 20 Uhr nochmals im Multifunktionsgebäude gezeigt. Grundlage der Geschichte ist das bekannte Gesellschaftsspiel „Die Werwölfe von Düsterwald": Ein Partyspiel, das 2001 in Frankreich erschien.
Eine Besonderheit ist die Position des Publikums, das miteinbezogen wird. (Foto: A. Dorn)
Schon das Plakat des Stücks setzt den Ton: ein düsteres Dorf, das Rathaus in unheilvollem Licht, der Vollmond über dem Wald - und dazu der Titel „Das Dorf schläft ein", versehen mit einer bedrohlichen Wendung: „...die Werwölfe erwachen". Die Darsteller und alle eingebundenen Personen bei dem Stück zeigen, dass hier nicht nur eine Schul-AG spielt, sondern ein ernsthaftes künstlerisches Projekt verfolat wird. So wurde es schon am Mittwochabend erstmals düster im Multifunktionsgebäude - und das Publikum ist mittendrin im Geschehen. Statt klassisch in Sitzreihen sitzen die Zuschauer sozusagen im Kreis, gespielt wird in der Mitte des Kreises und auf der Bühne. Das hat den Effekt, dass das Publikum in das Stück geradezu miteinbezogen wird - auch ganz gezielt von den Darstellern. In der Mitte liegt Laub von Bäumen; alles ist äußerst authentisch gestaltet. Auf einer Leinwand auf der Bühne „flimmern" zudem passende Bilder vom Wirtshaus oder vom idyllischen Dorf in der Nacht.
Aus dem fiktiven Düsterwald wird eine scheinbar idyllische Dorfgemeinschaft, in der nach einem furchtbaren Ereignis plötzlich nichts mehr ist, wie es scheint. Einer der Einwohner ist über Nacht verschwunden - gemunkelt wird, dass ihn die Wölfe geholt hätten. Unter der Oberfläche der Dorfgemeinschaft beginnt es zu brodeln: Misstrauen und Paranoia breiten sich aus, Fragen wie „Wer ist Freund, wer ist Feind?", „Wem kann ich noch vertrauen?" und „Wer sagt die Wahrheit und wer lügt?" beginnen die Gesellschaft zu spalten. Die Angst vor dem Unbekannten wächst und wird zur Waffe, während die Dorfbewohner versuchen das „Böse" zu entlarven. Es gibt Opfer, Sündenböcke und Nutznießer - und die Demokratie wird auf die Probe gestellt. Zum Dorf gehören unter anderem Bürgermeisterin, Jäger, Seherin, Hexe, Dieb und der Ritter der rostigen Klinge wie auch der verbitterte Greis, Flötenspieler und Brandstifter. Die jungen Darsteller agieren professionell und dermaßen authentisch, dass die Zuschauer sich wohl fast schon selbst als ein Teil des Dorfes fühlen. Gespielt wurde zudem mit Licht-, Ton- und Musikeffekten, was die entsprechende Stimmung auslöste und mitunter für Gänsehaut sorgte.
Nach der erfolgreichen Premiere des selbst entwickelten Theaterstücks im vergangenen Jahr hatte es dieses Jahr im Frühjahr nun den „Feinschliff" gegeben. Bei einer fünftägigen Theaterfahrt nach Mannheim wurden Szenen weiterentwickelt und Abläufe verfeinert, um dem Stück den letzten Schliff zu geben. Gleichzeitig bereitete die Gruppe sich auf eine Aufführung in Friedrichshafen am Bodensee und bei den Schultheatertagen in Heidelberg vor. Passend zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Stoff des Stücks hatten alle Beteiligten vorher recherchiert und Zitate von Rechtspopulisten ins Programmheft eingebunden.
Laut Programm sind die Darsteller Johanna Murswieck, Timon Cremers, Jan Schmidt, Maggie Tillson, Samir Modabber, Linnea Fortner, Annika Hilsenstein, Sara Haffner, Amira Dorloff, Svenja Richter, Juliane Runz, Amelie Richter, Nina Fragner, Anna Keller, Leni Leutbecher, Miliana Zarenkov, Lea Reichelt, Akemi Kamps, Madita Kathöfer, Sascha Keller, Finja Budig, Esenia Zarenkov und Anna Eberhardt; Letztere fungiert zugleich als Erzählerin.
(Agnieszka Dorn)