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 Chronik

 Mutter Courage und ihre Kinder » zurück zur Gesamt-Liste 
Autor: Bertolt Brecht
Regie: Christel Herold-Mende
Irmela Müller-Wulff
Aufführungsort: Bammental, TV-Halle
Zeitraum: 1998-11-06 bis 1998-11-07

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 Kritik 
(Rhein-Neckar Zeitung / 19.11.1998)

Die Botschaft vom Wahnsinn des Krieges
Theaterverein „Goukelkappe" überzeugte mit Brechts „Mutter Courage"
Zwei ausverkaufte Vorstellungen und viele „Vorhänge"
Bammental. (am) Sicherlich ist es nicht das Alltäglichste, wenn eine Laienspielgruppe wie die Bammentaler „Goukelkappe" an zwei Abenden zu Aufführungen von Bertolt Brechts „Mutter Courage" einlädt. Auch wenn die Freizeitschauspieler in den letzten Jahren immer wieder große Anerkennung für Einstudierungen bekannter Bühnenwerke bekommen hatten, war doch die Hinwendung zu Brechts Klassiker gleichsam eine Gipfelbesteigung, die nicht frei von Absturzgefahr ist ... Doch wer erlebt hat, mit welcher Intensität und Professionalität in der Bammentaler „Alten Turnhalle" Theater gespielt wurde, der muß das Wagnis ausdrücklich gutheißen!
Vielleicht wirkte das Werk sogar eindrücklicher auf den Zuschauer, als bei manch anderer Bühne, weil spürbar wurde, daß auf der Rampe Verwandlungen stattfanden: Da wurde aus dem immer freundlich grüßenden Nachbarn plötzlich ein markig auftretender Feldhauptmann (Rainer Lochthowe) oder aus der vielbeschäftigten Mutter von Kleinkindern eine - trotz ihrer rollenbedingten Stummheit - ungemein ausdrucksvolle Kattrin (Stefanie Bittner), die Tochter Mutter Courages. Nicht minder beeindruckend die offensichtliche Spielfreude beim allem Weltlichen durchaus nicht abgeneigten Feldprediger (Michael Mende) und die sängerische Leistung der Dirne Yvette Pottier (Irmela Müller-Wulff)!
Sicherlich würde Brecht insgesamt eine kältere, schonungslosere Darstellung der „Mutter Courage" gewünscht haben - ohne etwaige Publikumssympathien für einzelne Rollen -, doch war auch so seine Botschaft vom Wahnsinn des Krieges und der gnadenlosen Gefühlslosigkeit unter den Menschen auch in der Goukelkappen-Version unzweideutig.
Großen Anteil hieran hatte die zentrale Figur des Stückes: Mutter Courage (Waltraud Vögele). Abgesehen von der verblüffenden Sicherheit ihres gesamten Auftritts bestach sie durch ihre Fähigkeit, die Emotionslosigkeit, die am reinen „Wo liegt der Nutzen für mich?" orientierten Überlebensphilosophie und auch die wenigen Momente des Innenhaltens glaubwürdig zu verkörpern.
Die sie daher begleitenden Personen stützten sie dabei durch eine durchaus nicht amateurhafte Zeichnung der Charakteure, die auf hohem Niveau stehende Umsetzung des Textes verdient große Anerkennung. Die eingestreuten Vertonungen Brecht'scher Texte, begleitet und zum Teil komponiert von Almut Müller-Bernhardt am Klavier, beeindruckten ebenfalls, stark .und beim Schlußchor gab's gar Verstärkung durch den „Jungen Chor" des Liederkranz Bammental.
Mit einem Wort: Den „Goukelkapplern" gelang eine große Leistung. Dies gilt besonders auch den Regisseurinnen Christel Herold-Mende und Irmela Müller-Wulff. Sie haben es verstanden, die sage und schreibe 35 Rollen nicht nur treffend zu besetzen, sondern auch vor einem vom Marketenderin-Karren dominierten Bühnenbild geschickt zu positionieren.
Die beiden Aufführungen waren ausverkauft - ein gutes Zeichen, welches Vertrauen man in Bammental mittlerweile in die Fähigkeiten des Theatervereins hat. Daß die Zuschauer die fast dreistündige Aufführung keinesfalls als „zu lang" empfanden, bewies der nicht enden wollende Applaus am Ende, der die Schauspieler erst nach mehreren „Vorhängen" von der Bühne abgehen ließ.


(Gemeinde-Nachrichten, 20. November 1998)

Theaterdonner in Bammental
„Mutter Courage und ihre Kinder" mußte es sein beim traditionellen Theaterwochenende des Theatervereins „Goukelkappe" am 6. und?. November in der TV-Halle. Nichts weniger als dieser mehr als 100 Seiten starke Klassiker von Bertold Brecht war die diesmalige Herausforderung der Bammentaler Theatermacher -just zu den diesjährigen Jubiläen von Brechts 100. Geburtstag und dem 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens.
Aber nicht nur die zu lernenden Rollen, der gesamte Umfang dieser Mammutaufführung ist rekordverdächtig: mehr als 20 Schauspieler/innen wurden benötigt, wollten ausstaffiert sein und ihren Platz auf der - doch gar nicht so großen - Bühne zugewiesen bekommen. Noch einmal die gleiche Anzahl an Helfern (vor und hinter der Bühne) wurde benötigt zu dem Erfolg, der es dann schließlich nach mehr als einem Jahr Vorbereitungen wurde. Von den Beleuchtern über die Kulissenschieber bis hin zur souverän spielenden Klavierspielerin, jeder hatte sein eigenes Programm, das ja so mit dem der anderen abgestimmt sein mußte, damit die Aufführung sich als Ganzes präsentiert. Und wer schon einmal die Termine von vier berufstätigen Erwachsenen zu koordinieren versucht hat, der wird sicher den Hut ziehen ob dieser organisatorischen Meisterleistung, die benötigten 45 Akteure mindestens zur Generalprobe und zu zwei Aufführungen zusammenzubringen. Also wirklich: Hut ab!

Das Stück selber, ein Anti-Kriegsstück, von Brecht in Vorahnung des nahenden 2. Weltkrieges geschrieben, zeigt am Beispiel der „Mutter Courage" genannten Marketenderin, daß nichts ist mit „einfach nur Geldverdienen" am Krieg - ohne auch deftige, eigentlich so ja garnicht gewollte Opfer bringen zu müssen. Mutter Courage will ja nichts anderes, als sich und ihre Kinder durchbringen. Aber eben durch die verlockenden, hohen Gewinnspannen des Krieges. Am Ende verliert sie alle ihre drei Kinder durch den Krieg. Eigentlich aber auch garnicht so unaktuell, dieses Thema, wenn man an den heutigen Umgang mit Risikotechnologien denkt, deren Nutzung genausowenig „unschuldig" sein kann, wie das Geldverdienen am Krieg.
Diese anspruchsvolle Stück also wurde von den Regisseurinnen Christel Herold-Mende und Irmela Müller-Wulff mit einer Mischung aus talentierten Jungschauspielern und routinierten alten Theaterhasen eindrücklich und fesselnd inszeniert. Großen Anteil am Erfolg des ganzen Stückes hatte sicher Waltraud Vögele in der umfangreichen und tragenden Rolle der Mutter Courage. Aber auch alle anderen Schauspieler konnten ihre Rollen einfühlsam und glaubwürdig interpretieren. So gab's denn Höhepunkte am Fließband: Angefangen von den mit Trommelwirbel untermalten Szenenansagen (Anton Vögele) über die in Brecht'schem Stil mit live-Klavierbegleitung (Almut Müller-Bernhardt) vorgetragenen Lieder, und da vor allem die gelungenen Sologesänge von Mutter Courage und Yvette (Irmela Mülller-Wulff), die vielen stimmigen Dialoge und Monologe, einige! Szenen des Feldpredigers (Michael Mende), in denen die Dramatik durch passende Situationskomik noch unterstrichen wurde, die Redeversuche der verschüchterten, stummen Tochter) (Stefanie Bittner), das im Action-Stil inszenierte Finale,, bei dem die Tochter erschossen wird, und nicht zuletzt die erst in der Nachspielzeit gezeigte Raserei des Soldaten (Thomas Pachunke) wegen eines vorenthaltenen Trinkgeldes. Insgesamt also ein spannendes und genußvolles Theatererlebnis an diesem! Abend.

Und das sicher nicht nur allein für die Zuschauer, sondern auch für die - so sollte man vermuten - durch die vielen tosenden Applausstürme von Wonneschauern geschüttelten Schauspieler und sonstigen Macher dieses Spektakels. Die Freude am Spielen und Vorführen war jedenfalls das Gewürz, das dem tollen schauspielerischen Können noch die letzte Würze gab. Die gelungene Aufführung war ein echter kultureller Jahreshöhepnnkt, der mal wieder Lust auf weitere Aufführungen macht.
Bernhard Schulte-Kemna