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 Chronik

 Eine schöne Bescherung » zurück zur Gesamt-Liste 
Autor: Albert Husson
Regie: Andreas Wirtherle
Aufführungsort: Bammental, TV-Halle
Zeitraum: 1994-11-18 bis 1994-11-20

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 Kritik 
(Gemeinde-Nachrichten, 9. Dezember 1994)

Ein schöne Bescherung
In der Tat: „eine schöne Bescherung", die Familie Ducotel am Weihnachtsabend bereitet wurde! Von wem? Das war und bleibt wohl eine offene Frage... Aber nun mal schön der Reihe nach:
Felix Ducotel, ein als Geschäftsmann leider weniger überzeugender Pächter eines Ladens (dafür umso überzeugender dargestellt von Bernd Kieslich) und seine Frau Amelie (Irmela Müller-Wulff) haben sich in der Sträflingskolonie Cayenne niedergelassen. Wohl nicht ganz freiwillig, denn nach einem Beinahe-Bankrott in der alten Heimat führen sie nun an diesem entlegenen Ort mehr schiebt als recht das Geschäft ihres reichen Onkels Juste Trochard.

Nach dem Auftritt von Mrs. McRattles, einer waschechten Schottin, weiß man bereits eine ganze Menge über die Ducotels und Cayenne, sowohl im allgemeinen wie auch im besonderen. Mrs. McRattles, eine sehr gelungene Mischung aus Geschwätzigkeit, Neugier, Dickfelligkeit und trockenem Humor war mit Valerie Bosch nicht zuletzt wegen ihres wirklich echten schottischen Akzents geradezu ideal besetzt! Sie tätigt ihre Weihnachtseinkäufe (..the same procedure as last year..) und läßt -natürlich!- anschreiben, wie die meisten Kunden von Monsieur Ducotel, weshalb dieser -natürlich!- auf keinen grünen Zweig kommt.

Der reiche Onkel Juste nun hat sein Kommen angekündigt und wird noch im Laufe des Abends mit sehr gemischten Gefühlen erwartet, wird er sich doch aller Voraussicht nach über den Gang der Geschäfte informieren und womöglich die Geschäftsbücher prüfen wollen, was die Ducotels ihre Existenz kosten kann. Er ist in Begleitung seines Neffen Paul Cassagnon, was die reizende Tochter der Ducotels, Isabelle (mit sehr viel natürlichem Charme dargestellt von Dorte Adam) in freudige Erregung versetzt. Ihre Verliebtheit in Paul ist ebenso heftig wie unerwidert: die großen und kleinen Katastrophen sind also eigentlich vorhersehbar...

Eigentlich — wenn, ja — wenn da nicht das köstliche Trio wäre, dessen Auftritt dem Stück den richtigen „Kick" gibt. Die Sträflinge aus dem Bagno von Cayenne arbeiten sozusagen „außer Haus", in Heim und Garten der wohlanständigen Bürger. So auch diese drei, die bei den Ducotels derzeit als Dachdecker tätig sind. Abgesehen davon, daß sie an diesem Weihnachtsabend in ernsthafte Konkurrenz zu den an diesem Tag allerorts erwarteten Engeln treten, weil sie mit Pfiffigkeit, Hilfsbereitschaft und einer guten Portion Frechheit die großen und kleinen Katastrophen (siehe oben) abwenden (die Giftschlange Adolphe sollte man mieten können!), ist die eine Freude, sie auf der Bühne agieren zu sehen! Udo Hessenauer, Kay Leibert und Michael Mende waren ein prima Team: jeder ein Charakter für sich und doch hervorragend aufeinander eingespielt. Ihre Auftritte gaben dem Stück seine Würze. Die drei „Engel" wirkten so erfrischend locker, daß man ihnen ihre Rolle glauben mußte.

Der herzlose Absahner Onkel Juste wurde in der Darstellung von Uwe Lay sehr gut getroffen, ebenso sein verwöhnter und arroganter Neffe Paul von Tim Leibert. Insgesamt also wirklich eine lobenswerte schauspielerische Leistung.

Überhaupt ist dieses Stück sorgfältig und solide gestaltet worden, was an einigen wichtigen Details wohltuend auffiel: Die Kostüme waren eine Augenweide, den Anforderungen, die an das Bühnenbild gestellt werden mußten, wurde man mehr als gerecht. Mit relativ sparsamen Mitteln wurde eine optimale Wirkung erzielt. Im Zusammenspiel mit der ebenfalls geradezu professionell gehandhabten Technik (Beleuchtung, Geräusche etc.) entstand wirklich der Eindruck, sich an einem Ort mit tropischen Temperaturen zu befinden.

Offenbar stand hinter der ganzen Produktion eine Regie, die mit Akkuratesse und Lust an der Perfektion gearbeitet hat, so daß am Ende eine Aufführung geboten wurde, die sich wirklich sehen lassen konnte. Andreas Wirtherle hat ein vielversprechendes Debüt gegeben.

Alles in allem drei amüsante Abende für alle, die sich einfach mal für zwei Stunden gut unterhalten wollten und außerdem Freude an guter, präziser und sorgfältiger Darstellung haben.