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 Presse-Archiv

 2001-11-16: Der Kraichgau dampft und brodelt!  zurück 
(Gemeinde-Nachrichten)

VI. Kraichgauer Theatertage beim Theaterverein Goukelkappe e. V. in Bammental
Ein gutes halbes Jahr lang haben sich die im Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg organisierten 30 Theatergruppen des Kraichgaus getroffen, vorbereitet und organisiert.
Am Freitag, dem 26. Oktober war es dann endlich so weit. Ab 19.00 Uhr ging in der gut besetzten Elsenzhalle unter Mitwirkung von zehn Amateurtheatern ein bunter Theaterabend über die Bühne.
Die Gastgeber eröffneten diesen vielfältigen Reigen. Uwe Lay und Michael Mende spielten im, mit und schließlich vor dem Publikum ihr „Präludium für Komödie", einen einfallsreichen, witzigen und pointierten Sketch aus dem Repertoire des Hausautors zur Einführung in das Theaterfest.
Als Platzwart und Hausmeister, sozusagen „richtungsweisend" für den Abend, übernahm dann Rudi Reimitz von der „Kleinen Bühne Neckargemünd" die Conference - ein Glücksgriff für den vierstündigen Abend! Wie er zaubernd, schmunzelnd, singend durchs Programm führte und diese unterschiedlichen Stile guter Amateurtheaterarbeit miteinander verwob, war absolut gekonnt! Natürlich musste es auch offiziell werden. Helmut Kühn, der Präsident des Landesverbandes Amateurtheatcr Baden-Württemberg, eröffnete gekonnt souverän und betonte die Einzigartigkeit und die große Sympathie dieses etwa alle zwei Jahre stattfindenden Treffens. Für die Gastgeber begrüßte schließlich Dr. Uwe Lay die teilnehmenden Gruppen und gab den Startschuss. Eisbrecher-Funktion übernahm die „Junge Bühne Wiesloch", die mit „Der Mantel" -einem gut gespielten Mundart-Sketch - das Publikum auch gleich begeisterte. Allein die unzähligen Variationen, wie ein Mantel von der Stuhllehne, den Kleiderhaken und Bügel fallen konnte, war ein Slapstick. Mit „Theatercomics" fesselte dann das „Theater im Bahnhof" Dielheim die Zuschauerschaft. Absurdes Theater auf die Spitze gebracht: Anspruchsvolle Unterhaltung in zugespitzten Dialogen und einen Blick in die Zukunft, wenn Computer uns vielleicht in ein paar Jahren bei der Arbeitsvermittlung helfen wollen. Mit Szenen aus „Rotkäppchen-Report" von Angelika Bartram stellten die „Scheinwerfer 87" aus St. Leon-Rot moderne Adaptionen bekannter Märchen gekonnt auf die Bühne, wobei die im Boogie-Woogie singenden, surfenden, quakenden Frösche mit Sicherheit ein Höhepunkt waren!
Schlag auf Schlag gings - immer wieder in vielen Rollen bezaubernd übergeleitet von Rudi Reimitz - weiter: Die Theatergruppe La Vita rundete mit zwei Sketchen ,,Filet ohne Knochen" und „Nachtstück" den ersten Theaterblock dieses satten Abends ab.
Nach der Pause begann das Amateurtheater „Die Maske" aus Wiesloch mit „Aus dem Bauch heraus". Und den Zuschauern wurde sehr schnell klar, was denn da so alles „aus dem Bauch heraus" gespielt werden wollte ... körperliches Theater pur. Auch das Amateurtheater „Die Koralle" blickt auf eine lange gute Theatertradition zurück. Mit ihrer Szenenfolge „Beziehungsweise Loriot" führte sie nicht nur mit guter Wortregie und gekonnt persiflierend in die Szenen ein, sondern machte auch immer wieder augenzwinkernd Spaß an den Szenen selbst. Gekonntes Theaterspiel, fein inszeniert und gut verpackt, waren sich die Besucher einig!
Köstlich schließlich auch die Szene „Werdende Väter" von Ephraim Kishon, mit der dann die Theatergruppe „Vorhang auf!" Theater im Melanchthonhaus Leimen den ungemein reichen und leichten Teil des Abends beschloss. Situationskomik pur, wenn da drei werdende Väter vor der Entbindungsstation warteten.
Den Abend beschloss dann wieder die Goukelkappe, die den Besuchern wenigstens noch 2 satte Szenen aus ihrer erfolgreichen „Faust"-Inszenierung zeige, die wegen Erkrankung des Hauptdarstellers kurzfristig abgesagt werden musste. „Auerbachs Keller" und Mephistos „Verführungsszene" mit Marthe und Gretchen im Garten konnten so wenigstens noch einmal einen kleinen Einblick in diese große und überaus erfolgreiche Frühjahrsinszenierung geben.
Ein insgesamt vierstündiger Theaterabend geht nicht ab ohne Musik! Und die gibt es seit Beginn der Kraichgauer Theatertage live und originell - selbst ein Höhepunkt ausgelassener und augenzwinkernd dargebrachter musikalischer Unterhaltung - von der Bruchsaler Heizölband. Sie heizte dann dem Saal gegen Ende des großen Theaterfestes richtig ein und ließ dabei kein Auge trocken!
Ein großer Theaterabend ging zu Ende. Dank sei an dieser Stelle besonders den Altstadt-Kerweborscht gesagt, die tatkräftig in der Küche und beim Bedienen mithalfen.
Das Amateurtheater „Scheinwerfer 87" aus St. Leon-Rot eröffnete am Samstag um 11.00 Uhr mit „Die dumme Augustine" von Otfried Preußler. Dieses Zirkusmärchen begeisterte junge und alte Zuschauer gleichermaßen. Angefangen vom gelungenen Bühnenbild über den Einmarsch der Zirkusleute und die gelungenen artistischen Darbietungen der Jongleure, Kraftmenschen und aller anderen Zirkusleute stimmte einfach alles. Die Zuschauer konnten live das aufregende Leben der Clownsfamilie August miterleben.
Um 16.30 Uhr folgte dann „Die Wirtin" von Peter Turrini frei nach der Goldoni-Vorlage Mirandolina. Die Theatergruppe „La Vita" entführte mit diesem Stück in die Mitte des 18. Jh. in die Welt der Cavaliere, Marchese und Grafen. Die Titelheldin musste mit allen Mitteln ihre Selbständigkeit verteidigen, denn nicht nur die Edelleute sondern auch der einfache Kellner verlieben sich in sie.
Das Samstagabendprogramm bestritt die Jugendgruppe des Theaterverein Goukelkappe mit Morton Rhue's „Die Welle" in einer Bearbeitung von Reinhold Tritt. Die jungen Darstellerinnen und Darsteller wussten mit einer äußerst realistischen und glaubhaften Darstellung zu überzeugen. Am Schluss sahen sich die Zuschauer sogar mit einem kleinen „Reichsparteitag" mit Fahnen und aufziehenden Wachen konfrontiert.
Die Theater-Matinee am Sonntag begann um 10.30 Uhr mit den „Ungehaltenen Reden ungehaltener Frauen" von Christine Brückner. Die Darstellerinnen des Amateurtheater „Die Koralle" aus Bruchsal begeisterten die Zuschauer mit den einfühlsam und ausdrucksstark dargestellten Frauen, die zu Lebzeiten nie so frei gesprochen hatten, wie in diesen Szenen dargestellt.
Den krönenden Abschluss der Theatertage stellten Dario Fo's „Anstreicher sind vergesslich" von der Kleinen Bühne aus Neckargemünd dar. Die Darsteller zogen alle Register der Theaterkunst und das Publikum war begeistert und dankte es mit einem lang anhaltenden Applaus.
Alle Mitwirkenden und Teilnehmer bedauerten, dass diese Theatertage schon zu Ende gingen. Sie waren sich einig, dass sich die Amateurtheater im Kraichgau mit diesen durchweg auf hohem Niveau dargebotenen Stücken nahezu jeder Stilrichtung nicht zu verstecken brauchen. Sie dürfen sich bereits heute auf die nächsten Theatertage in 2 Jahren in Sinsheim freuen.
(Wolfgang Mettenberger)