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 Presse-Archiv

 2011-03-28: Feuriger Auftakt  zurück 
Auf dem Dachboden haben es sich die Brandstifterinnen bequem gemacht, Gottlieb Biedermann erkennt ihr Vorhaben, doch unterliegt er ihren Verführungskünsten. (Foto: TriIsbach)
(Rhein-Neckar Zeitung)

Festival startet mit „Biedermann

Bammental. (tri) „Wehe uns, wehe euch!", rappt der Feuerwehrchor. Dicker Rauch steigt auf und vernebelt die Bühne. Sirenen heulen. Das Haus des wohlhabenden Bankdirektors Gottlieb Biedermann brennt lichterloh. Anders als im Original von Max Frisch sind beim Auftakt der Kraichgauer Theatertage hier die Brandstifter weiblicher Natur, was der „Burleske" viel Sexappeal verleiht. Der Protagonist Gottlieb Biedermann (super gespielt von Carlo Malkus) geht über Leichen und ist eine zwiespältige Person.
Zunächst ist er „Feuer und Flamme" für die aufreizende obdachlose „Jo" Schmitz (frech dargestellt von Saskia Bittner) und gewährt ihr sogar Unterschlupf. Seiner Gattin Babette (originell gespielt von Meret Cepero-Malo) gefällt das „motzige Verhalten" der arbeitslosen Frau nicht. Deren Komplizin „Wilhelmine" Eisenring (resolut dargestellt von Jana Mechler) stößt hinzu. Beide gestehen ihre Schandtaten, denn im Ort brennt es fast jede Nacht: „Die Wahrheit zu sagen ist die beste Tarnung überhaupt, denn die glaubt niemand", frotzelt „Jo".
Biedermann ist feige und scheinheilig: „Was wir brauchen ist Menschlichkeit, es gibt doch keine Klassengesellschaft mehr." Er befiehlt Dienstmädchen Anna (Nadja Roßner), ein opulentes Mahl für alle aufzutragen. „Wenn wir uns mit ihnen anfreunden, dann stecken sie unser Haus doch nicht in Brand", ist Gottlieb überzeugt. Sein geliebtes „Babettchen" durchschaut das verhängnisvolle Spiel der zwei Täterinnen. „Gottlieb ist einfach zu gutmütig", bedauert sie.
Die Komplizinnen haben es sich indes auf dem Dachboden zwischen Benzinfässern bequem gemacht. „ Jo" will Holzwolle kaufen, aber Putzlappen tun's auch. Die Streichhölzer sind ihnen ausgegangen. Da wird die trauernde Witwe (Lotte Iglhaut) des gefeuerten Bankangestellten Knechtling vorstellig. Ihr Mann hatte sich aus Scham das Leben genommen.
Doch der Bankdirektor schmeißt die Witwe einfach gnadenlos raus. Auch der Ortspolizist (Martin Müller) warnt Gottlieb Biedermann und inspiziert das Haus. Ein Philosoph (Peter Haaf) sieht das Drama kommen. Die Brandstifterinnen aber setzen Biedermann mächtig unter Druck, er händigt ihnen sogar die fehlenden Streichhölzer aus. Am Ende stehen er und seine Frau durch diesen Blödsinn in Flammen. Die Erkenntnis bleibt, dass man sich mit Brandstiftern lieber nicht gemein machen sollte.
Unter der Regie von Steffi Bittner und Carsten Müller-Donhuijsen zeigte die Theater-AG des Bammentaler Gymnasiums eine witzig-moderne und grandiose Inszenierung zum Auftakt der 10. „Kraichgauer Theatertage" in der Elsenzgemeinde. Für die Aufführung gab es einen großen Applaus. Wie rappten doch noch gleich zu Beginn die Feuerwehrfrauen Jill Gebert, Lisa Werle, Raphaela Dörfer, Nicole Schott, Christyn Herrmann, Carlotta Bösche und Sophia Riepl? „Wehe uns!"
(Jutta Trilsbach)