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 NEWS

 Brandstifter in Bammental2010-08-18 15:15:27 
Theater-AG des Gymnasiums spielte „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch

Getrost darf Bammental nun endgültig als Hochburg der Theaterkunst angesehen werden. Wieder, wie auch schon die Jahre zu vor, gelang es der Theater-AG des Gymnasiums Bammental, das Publikum in Erstaunen zu versetzen, zu faszinieren und mitzureißen. Dies ist nicht nur der herausragenden Leistung der Schauspieler und des Regie-Teams geschuldet, sondern auch die geschickte Stückauswahl machte dieses Theaterereignis zu etwas Besonderem.
Mit Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ handelte es sich keinesfalls um seichte Unterhaltung. Die Thematik der Lust an Zerstörung, Mitläufertum und dem hilflosen Verstricken der Protagonisten in ihren eigenen Handlungen, gepaart mit Witz und beißender Ironie, schuf eine beängstigend realistische Atmosphäre.
Gottlieb Biedermann, der vehement die Brandstifter in seiner Stadt verurteilt und hart bestraft sehen will, wird mit eben diesen konfrontiert. Statt die Unbekannten vor die Tür zu setzen, erliegt er deren Eloquenz und Frechheit und öffnet der Flamme Tür und Tor. Verzweifelt ringen er und seine Frau einen Ausweg zu finden, doch scheitern beide an ihrer Inkonsequenz und verlaufen sich in ihren selbstauferlegten Rollenbildern, sodass zum Schluss der Himmel rot von Flammen ist.
Mit Echtheit und Dichte spielte die Theater-AG auf und zog die Zuschauer so in ihren Bann.
In der Rolle des Gottlieb Biedermanns brillierte Carlo Malkus, dem es gelang, durch kleine Gesten und Mimik seinem Charakter eine schon beinahe erschreckende Tiefe zu verleihen. Natürlich ist hinter jedem großen Mann auch eine Frau zu finden, gespielt von Meret Cepero-Malo, die jene segensreiche Monotonie einer zur Selbstverständlichkeit gewordenen Ehe mit ihrem Mann auf der Bühne zelebrierte und herausragend darstellte. Saskia Bittner als Brandstifterin und aufreizende Ex-„Ringerin“, die mit ihrer Präsenz wohl nicht nur den Herrn Biedermann um den Finger wickelte, und Jana Mechler in der Rolle der Wilhelmine Eisenring, ebenfalls Brandstifterin, deren Redegewandtheit und offenkundige Frechheit ebenso erstaunten, wie auch belustigten, glänzten in ihren Rollen und bildeten einen scharfen Kontrast zur Spießigkeit des Biedermann'schen Haushalts. Auch die Rolle des Dienstmädchens (Nadja Roßner), welches zwar grundlegende Freude an ihrem Beruf findet, aber den Gehaltscheck am Ende des Monats doch höher schätzt, und die des Dr. phil. (Benni Krauß), ein weltverbessernder Akademiker, dessen köstliches Klischee so überspitzt und wahr dargestellt wurde, fanden ihren wichtigen Platz mit Lust und Freude am Spiel im Gesamtensemble. Nicht unerwähnt dürfen Lotte Iglhaut als Witwe Knechtling und Martin Müller als ein Polizist bleiben, die in ihren Charakteren das Stück kontrastierten und tieferen Gehalt verliehen.
Von Max Frisch als Mittel des klassischen Dramas angedacht, wandelte sich der mahnende Chor der Feuerwehrleute (Jill Gebert, Martin Müller, Lisa Werle, Sophia Riepl, Raphaela Dörfer, Jacqueline Kirsch, Carlotta Bösche, Nicole Schott und Christyn Herrmann) in eine Meute von rotbestiefelten Brandwächtern, deren Ermahnungen von der Vorbühne als Parallele zu den Gedanken Biedermanns verstanden werden können und somit sowohl als Mittel der Hybris, wie als Nemesis fungierten. Dies wurde hervorragend umgesetzt und bildete einen weiteren Grundpfeiler der absurden Leichtigkeit in der Schwere der Situation.
Ein unermesslich großes Lob gilt den Regisseuren Stefanie Bittner und Carsten Müller-Donhuijsen, die nicht nur eine exzellente Interpretation von Frisch in einer beeindruckenden Kulisse (schon am Eingang wurde das Publikum durch ein echtes Feuerwehrauto auf den Abend eingestimmt) auf die Bühne brachten, sondern die Gruppe zu einer Gemeinschaft vereinten und zu großartigen Leistungen animierten.

RNZ vom 3.8.10


 Eindrucksvolles, spannungsreiches Stück über die Abgründe des menschlichen Daseins2009-07-02 21:44:49 
Die Theater – AG des Gymnasiums Bammental spielt „Warten auf …..“ in Anlehnung an Samuel Becketts „Warten auf Godot“

Bammental. Ein ganz besonderes Stück Theater ging am Gymnasium Bammental über die Bühne. In vier Aufführungen spielten die Schüler der Theatergruppe „die grotesk - komischen sowie irrealen Szenen, [die] keine erkennbare Handlung haben.“ - So wurde das selbst erfundene Stück schon im Programmheft angekündigt. In Anlehnung an Samuel Becketts absurdes Theaterstück „Warten auf Godot“ eigneten sich die Schülerinnen und Schüler der Mittel- und Oberstufen – AG dieses Stück neu an, verbanden es mit unserem Leben und stellten dabei die Fragen, die heute viele Menschen umtreiben.
So entstanden ganz unterschiedliche Situationen für die Behandlung verschiedener Probleme, wobei der Ausgangspunkt gleich blieb: das Warten darauf, dass.... etwas
passiert, sich etwas ändert, ich mit dem Leben, mit der Welt,
mit dem anderen, mit mir weiterkomme..., geduldig, drängend, verzweifelt, gelassen, vergnügt, kritisch, einverstanden......
Authentisch, unglaublich dicht und engagiert, mitreißend und voller Spielfreude agierten die 17 jungen Schauspieler auf der „vermüllten“ Bühne, die als Spiegel der Seelen der gescheiterten Existenzen fungierte. Manchmal erschienen sie dem Zuschauer beängstigend dicht an ihrer Rolle und das „gespielte Ich“ wirkte dadurch sehr echt und überzeugend.
Die 17 Darsteller, Raphaela Dörfer, Pavel Cepero - Malo, Carlo Malkus, Malinka Oberdörfer, Johanna Miller, Meret Cepero – Malo, Lisa Werle, Lotte Iglhaut, Ina Rupprecht, Lena Malkus, Martin Müller, Johannes Dörfer, Jenny Sancho-Vargas, Sophia Riepl, Sarah Müller, Lucas Lebert und Jana Mechler, hatten „Warten auf…“ zu ihrem Stück gemacht. Sie alle zeigten spielerisch eindrucksvolle Leistungen. Und sie alle eint ein unbändiger Spaß am Theaterspielen.
Und dieses Gefühl vermittelte die Theatergruppe des Gymnasiums Bammental in Kooperation mit dem Theaterverein Goukelkappe e.V., die sich um Stefanie Bittner zusammen gefunden hat, auch ihrem Publikum.
Mit viel Geschick hatte die Regisseurin Stefanie Bittner durch eine ideale Besetzung der Rollen und den großen Freiraum, den sie ihren Schülern in deren Ausgestaltung gelassen hatte, erreicht, dass junge Menschen beim Theaterspielen über sich hinaus wachsen und „etwas machen, was [sie] sonst nicht machen würden“.
Auch im anschließenden Publikumsgespräch klang die Spannung des Stückes noch nach. Wieder war zu spüren, wie sehr sich die Schüler mit ihrer eigen Rolle und ihren Texten identifizierten. Den Fragen aus dem Publikum blieb die Gruppe keine Antwort schuldig. In dem lebendigen Dialog konnte man erkennen, dass sich für alle durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Stück eine neue Welt aufgetan hatte.
Die Zuschauer hoffen noch auf viele derart gelungene Aufführungen!


Dorothé Becker
(Gemeindenachrichten vom 2.7.09)


 Diese Spannung war kaum auszuhalten2009-05-22 21:42:27 
Theater-AG spielte mit „Warten auf“ Theater à la Beckett

Bammental. (du) „Komm, wir gehen. Gehen wir!“ Aber niemand folgte der Aufforderung. Alle blieben sitzen und warteten weiter. Warten auf, aber auf was eigentlich? Auf das Leben, könnte eine Antwort sein. Oder anders ausgedrückt: das Schicksal. Aber Warten, das ist auch Jugedkultur, war aus dem Kreis der jungen Spieler der Theater-AG der Mittel- und Oberstufe des Gymnasiums zu hören. Sie kultivierten ganz in Anlehnung an Samuel Becketts absurdes Theater „Warten auf Godot“ das Warten für ein zwar vom Vorbild inspiriertes, dennoch weitgehend selbst erfundenes Stück für vier Aufführungen.
Absurd war es nicht durchgehend, sonst hätte es die ehemalige Schulleiterin Margareth Schütte nach eigenem Bekunden nicht bis zum Ende ausgehalten, dafür aber enorm anregend, oder wie sei feststellte: „Es war unglaublich faszinierend“. Verstanden hatte das Publikum den Inhalt, was sich in der Gesprächsrunde mit Schauspielern und Regisseurin Stefanie Bittner abzeichnete. Der Dialog wurde genauso intensiv und munter geführt, wie das Stück zuvor gespielt.
„Google“ macht’s möglich, könnte man sagen, nachdem die Schauspieler verrieten, woher sie die Anleihen bei Schiller oder Kafka machten und die Grundlagen für ihre Texte bezogen. Aber die Internet-Suchmaschine allein macht es eben doch nicht aus. Da braucht es doch junge Menschen, die ihrer Texte zusammenstellen, verstehen und zu interpretieren verstehen, damit sie jeder versteht und zum Nachdenken bringen.
Genau das gelang den 17 Darstellern Raphaela Dörfer, Pavel Cepero-Malo, Carlo Malkus, Malinka Oberdorfer, Johanna Miller, Meret Cepero-Malo, Lisa Werle, Lotte Iglhaut, Ina Rupprecht, Lena Malkus, Martin Müller, Lucas Lebert und Jana Mechler durchweg – von Stefanie Bittner motiviert und auf ideale Weise geführt. Überhaupt musste man den Hut ziehen vor so viel Spielelan und Einfühlung in schwierige, problembeladene Texte, die in ihrer Absurdität aber auch befreiendes Lachen oder Schmunzeln zuließen.
Der einzige Kritikpunkt der Zuschauer war, warum man den zugrunde gelegten Charakteren nur negative Aspekte verlieh. Das lag im Stück „Warten auf“ selbst begründet, erklärten die Schauspieler, die sich wie eine Bande von Ausreißern oder gescheiterten Existenzen mit kranken Strukturen und gestörter Psyche auf einem ziemlich vermüllten Platz (Bühnenbild Helmut Daigger) präsentierten. Dort entwickelten sie ihre Monologe, alle aufs Wartegleis gestellt, dem Ende von allem in Allegorien, Clownereien und Paradoxien verpackt. Zu Wort kamen personifizierte Emotionen und Lebensthemen wie Hass, Skrupellosigkeit, Weisheit, Emanzipation, Tod, Sexualität, Wahnsinn, Aggression, Erfolg, Selbstmord, Einsamkeit oder auch Hoffnungslosigkeit.
„Das Leben ist längst da, möchte man den Figuren zurufen“, war eine Zuschauerreaktion. Eine andere lautete: „Die Spannung war so toll dargestellt, dass man sie kaum aushalten konnte und irgendwas hineinrufen wollte.“

RNZ vom 22.5.09