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 NEWS

 „Der Schatten“ überzeugte2011-08-02 13:31:30 
Mit der Aufführung der Märchenkomödie von Jewgeni Schwarz setzt die Theater-AG neue Maßstäbe

Von Werner Popanda

Bammental. Es hat so kommen müssen, das war unvermeidlich, da gab es keine Alternative. Gerade eben hatte sich der „Finanzminister“ von seinen weiblichen „Lakaien“ in die Positur „Heitere Sorglosigkeit“ hieven lassen, als eine seiner Dienerinnen sich ein Kichern nicht mehr verkneifen konnte. Sie senkte zwar den Blick, damit das Publikum das nicht merkt. Doch das war anderweitig beschäftigt. Es kämpfte nämlich selbst mit seinen Lachtränen.
Ja, tatsächlich, bei der Aufführung des Stückes „Der Schatten eine russische Märchenkomödie“, zu dem sich der Autor Jewgeni Schwarz von Hans Christian Andersens Märchen „Der Schatten“ inspirieren ließ, kam es im Saal des evangelischen Gemeindehauses mehrfach zu enormen Heiterkeitsausbrüchen und Spontanapplaus.
Hierhin hatte die The4ater-AG des Bammentaler Gymnasiums Schauspielfreunde aus nah und etwas ferner eingeladen, um diesen aufzuzeigen, weshalb man zuvor Proben über Proben absolviert hatte. Doch dürfte allen Gästen spätestens nach einer Viertelstunde klar geworden sein, dass sich dieser Abend als ein Meilenstein in der Geschichte des Schultheaters entpuppen wird.
Beginnend mit dem famosen Bühnenbild, das selbst in professionellen Schauspielhäusern Lob einkassiert hätte. Aber auch Regie, Licht- und Tontechnik, Maske und Kostüme bestachen durch jede Menge Akkuratesse und Ideenreichtum. „Backstage“ hatte die AG zweifelsohne ganze Arbeit geleistet, doch was würde all dies nutzen, wenn schlussendlich das Ensemble nicht so recht auf Touren kommt.
Genau das kamen die schauspielernden Schülerinnen und Schüler jedoch, und zwar von der ersten Sekunde an und noch dazu ohne Ausnahme. Den Weg in die richtige Richtung wies schon der Auftakt durch die grandios-lakonisch auftretende „Unke“, alles was danach kam, stellte sich mimisch und sprechtechnisch als hervorragend heraus.
Zugleich war zu spüren, dass hier nicht einfach einstudierte Parts abgespult werden. Vielmehr haben die Darsteller ihre Rollen mit höchster Spiellust und Identifikation angenommen und widmen sich den mitunter furiosen Dialogen voller Hingabe. Fazit: Theater pur!
Für die letzte Darbietung am heutigen Montag um 19 Uhr könnte es womöglich noch Eintrittskarten geben.

Rhein-Neckar-Zeitung vom 25. Juli 2011


 Theatertage schrieben Erfolgsgeschichte2011-03-28 21:12:04 
(Rhein-Neckar-Zeitung, 28.03.2011)

Das Festival im Kraichgau fand bereits zum zehnten Mal statt

Bammental. Vor 25 Jahren, daran erinnerte Bürgermeister Holger Karl bei der Eröffnung der „10. Kraichgauer Theatertage" in der Bammentaler TV-Halle, mokierten sich zunächst einige Bürger über die Gründung des Theatervereins: „Was wollt ihr machen? Theater? Als ob wir nicht schon genug Theater hätten!" Aber das ist längst Vergangenheit. Die Bammentaler Amateurtheater-Gruppen „Goukelkappe", „La Vita" und die Theater-AG des Gymnasiums haben stets ausverkaufte Vorstellungen.
Die Elsenzgemeinde stand am Wochenende zum zweiten Mal im Mittelpunkt der „Kraichgauer Theatertage", die gleichzeitig ihr 30. Jubiläum feierten. Sieben Amateurtheater-Gruppen aus der Region zeigten dabei auf der Bühne viel Profil: „Die Possenreißer" aus dem Leimener Stadtteil Gauangelloch, die „Kleine Bühne" aus Neckargemünd, „Parole" aus Wiesental, „La Vita", „Theater im Bahnhof" aus Dielheim, „Die Koralle" aus Bruchsal und „Vorhang auf! Theater im Melanchthon-Haus" aus Leimen.
Die Kommunikation zwischen den Schauspielern steht bei den „Kraichgauer Theatertagen" stets im Vordergrund. Die Organisation dieses kleinen Theaterfestivals lag beim Bammentaler Theaterverein „Goukelkappe". Dessen Vorsitzender Uwe Lay begrüßte die Schauspielerkollegen und geladenen Gäste zum Eröffnungsstück „Biedermann und die Brandstifter" frei nach Max Frisch.
Uwe Lay dankte allen Helfern hinter und vor den Kulissen und wünschte einen regen Austausch. Holger Karl dankte für das ehrenamtliche Engagement in Sachen Kultur. Der Rathauschef ging auf die erste Aufführung des Theatervereins vor 25 Jahren ein - damals hieß das Stück „Zauberer vom Bammertsberg" von Michael Mende - nach einer alten Bammentaler Sage. „Dieses Stück war so etwas wie der „Student Prince“ vom Elsenztal".
Bürgermeister Holger Karl sagte den örtlichen Theatergruppen auch weiterhin die Unterstützung der Gemeinde zu. Von einer starken Motivation in den vergangenen 30 Jahren sprach auch Rolf Wenhardt, der Präsident des „Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg" und dankte allen Gruppen für eine große Programmvielfalt während der „Kraichgauer Theatertage". Und dann stiegen das Theater- und das Lampenfieber. Es hieß Vorhang auf für den „Biedermann"
(Jutta Trilsbach)





Feuriger Auftakt
Festival startet mit „Biedermann

Bammental. (tri) „Wehe uns, wehe euch!", rappt der Feuerwehrchor. Dicker Rauch steigt auf und vernebelt die Bühne. Sirenen heulen. Das Haus des wohlhabenden Bankdirektors Gottlieb Biedermann brennt lichterloh. Anders als im Original von Max Frisch sind beim Auftakt der Kraichgauer Theatertage hier die Brandstifter weiblicher Natur, was der „Burleske" viel Sexappeal verleiht. Der Protagonist Gottlieb Biedermann (super gespielt von Carlo Malkus) geht über Leichen und ist eine zwiespältige Person.
Zunächst ist er „Feuer und Flamme" für die aufreizende obdachlose „Jo" Schmitz (frech dargestellt von Saskia Bittner) und gewährt ihr sogar Unterschlupf. Seiner Gattin Babette (originell gespielt von Meret Cepero-Malo) gefällt das „motzige Verhalten" der arbeitslosen Frau nicht. Deren Komplizin „Wilhelmine" Eisenring (resolut dargestellt von Jana Mechler) stößt hinzu. Beide gestehen ihre Schandtaten, denn im Ort brennt es fast jede Nacht: „Die Wahrheit zu sagen ist die beste Tarnung überhaupt, denn die glaubt niemand", frotzelt „Jo".
Biedermann ist feige und scheinheilig: „Was wir brauchen ist Menschlichkeit, es gibt doch keine Klassengesellschaft mehr." Er befiehlt Dienstmädchen Anna (Nadja Roßner), ein opulentes Mahl für alle aufzutragen. „Wenn wir uns mit ihnen anfreunden, dann stecken sie unser Haus doch nicht in Brand", ist Gottlieb überzeugt. Sein geliebtes „Babettchen" durchschaut das verhängnisvolle Spiel der zwei Täterinnen. „Gottlieb ist einfach zu gutmütig", bedauert sie.
Die Komplizinnen haben es sich indes auf dem Dachboden zwischen Benzinfässern bequem gemacht. „ Jo" will Holzwolle kaufen, aber Putzlappen tun's auch. Die Streichhölzer sind ihnen ausgegangen. Da wird die trauernde Witwe (Lotte Iglhaut) des gefeuerten Bankangestellten Knechtling vorstellig. Ihr Mann hatte sich aus Scham das Leben genommen.
Doch der Bankdirektor schmeißt die Witwe einfach gnadenlos raus. Auch der Ortspolizist (Martin Müller) warnt Gottlieb Biedermann und inspiziert das Haus. Ein Philosoph (Peter Haaf) sieht das Drama kommen. Die Brandstifterinnen aber setzen Biedermann mächtig unter Druck, er händigt ihnen sogar die fehlenden Streichhölzer aus. Am Ende stehen er und seine Frau durch diesen Blödsinn in Flammen. Die Erkenntnis bleibt, dass man sich mit Brandstiftern lieber nicht gemein machen sollte.
Unter der Regie von Steffi Bittner und Carsten Müller-Donhuijsen zeigte die Theater-AG des Bammentaler Gymnasiums eine witzig-moderne und grandiose Inszenierung zum Auftakt der 10. „Kraichgauer Theatertage" in der Elsenzgemeinde. Für die Aufführung gab es einen großen Applaus. Wie rappten doch noch gleich zu Beginn die Feuerwehrfrauen Jill Gebert, Lisa Werle, Raphaela Dörfer, Nicole Schott, Christyn Herrmann, Carlotta Bösche und Sophia Riepl? „Wehe uns!"
(Jutta Trilsbach)