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 Chronik

 Der eingebildete Kranke » zurück zur Gesamt-Liste 
Autor: Molière
Regie: Carolin Mende
Michael Mende
Aufführungsort: Bammental, TV-Halle
Zeitraum: 2019-11-01 bis 2019-11-03

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 Kritik 
(Rhein-Neckar Zeitung, 4.11.2019)

Der eingebildete Kranke
Theaterverein „Goukelkappe" brillierte mit der Moliere-Komödie gleich dreimal in der TV-Halle

Bammental. Und das in Bammental in der heutigen Zeit: Der wegen seiner Wehwehchen jammernde Argan beschließt, seine hübsche Tochter Angelique zu vermählen. Sie soll einen Arzt heiraten. Nicht etwa aus Liebe. Der Grund der Hochzeit: Der junge Arzt soll sich fortan um das gesundheitliche Wohl des kranken Argan kümmern. An drei Tagen hintereinander hob sich jetzt am verlängerten Wochenende in der TV-Halle der Vorhang für die Komödie „Der eingebildete Kranke" von Jean-Baptiste Poquelin alias Moliere, die vom Theaterverein „Goukelkappe" aufgeführt wurde. Und eines muss man sagen: Die Schauspieler agierten fantas-tisch und das Publikum war begeistert.
Bereits 1993 hatte „Goukelkappe" den „Eingebildeten Kranken" aufgeführt. Von den damaligen Akteuren ist nur noch Michael Mende dabei, der nun mit Carolin Edler-Mende Regie führte.
Argan alias Heinz Müller sorgt sich gar köstlich um seine Gesundheit. Foto: A. Dorn
Zur Geschichte: Den wohlhabenden Argan (Heinz Müller) plagen überall Wehwehchen. Für ihn ist klar: Sein letztes Stündlein wird bald schlagen. Das amüsiert seine Dienerin Toinette (Stefanie Eckert) wiederum prächtig, denn sie hat ihren Hausherren durchschaut. Argan ist in Wirklichkeit kerngesund, denkt aber, er sei sterbenskrank. Toinette gibt ihm also Kontra, wann immer es geht. Das bringt Argan mächtig in Wallung: „Du Miststück, ich schlage Dich tot, Du unverschämtes Luder", schreit er. Und jagt Toinette quer über die Bühne.
Als Argan dann denkt, so kann krank kann sein Leben unmöglich weitergehen, beschließt er seine Tochter Angelique (Julia Stössel) Thomas (Felix Flachs), dem Sohn des Arztes Diafoirus (Thomas Pachunke), zur Frau zu geben. Thomas ist angehender Arzt und hat von Medizin keine große Ahnung - genau wie sein Vater.
Derweil hat sich Angelique aber in Cleante (Alexander Edler) unsterblich verliebt, beide wollen heiraten. Der smarte Cleante gibt sich als Musiklehrer aus und betritt just in dem Moment das Haus beziehungsweise die Bühne, als die versammelte Mannschaft die Vermählung Angeliques mit dem Jungarzt Thomas plant. Aber da ist auch noch Argans Gattin Belinde (Rebecca Flachs), die ihn lieber schnellst möglich unter der Erde sehen würde. Wegen des Vermögens natürlich. In weiteren Rollen waren Bernd Segnitz, Jindra Gensior, Uwe Lay und Viktor Lehmann zu erleben.
Die Schauspieler agierten in Mimik, Gestik und Dialogen professionell. Man fühlte sich mittendrin in der Geschichte und zu verdanken war dies sicherlich auch den Regisseuren Carolin Edler-Mende und Michael Mende. Das Publikum lachte Tränen über den gebotenen Klamauk.
Tragisch übrigens: Der 1622 geborene Moliere spielte den Argan auf der Bühne einst selbst und erlitt während der Aufführung in Paris am 17. Februar 1673 einen Schwächeanfall mit Blutsturz auf der Bühne. Die Zuschauer hielten es für einen Teil der Komödie. Dem war aber nicht so: Moliere starb.
(Agnieszka Dorn)




(Gemeinde-Nachrichten, 15. 11. 2019)
(Bammentaler Gaiberger Wiesenbacher Woche, 13. 11, 2019)


Theaterverein Goukelkappe in der TV Halle Bammental
„Der eingebildete Kranke" von Molière
Den Molière Klassiker „Der eingebildet Kranke" brachte der Theaterverein Goukelkappe nach 26 Jahren zum zweiten Mal als hervorragende Inszenierung auf die Bühne in die TV Halle Bammental.

Argan ächst, stöhnt, jammert und klagt, mehr liegend als sitzend in seinem gepolsterten Sessel. Als der eingebildete Kranke studiert er die letzte Arztrechnung, berechnet die Ernsthaftigkeit seines maladen Zustands nach der Zahl seiner Einläufe und Klistiere. Ein Monat mit weniger Einläufen ist eigentlich ein schlechter Monat. Und so streicht er die fürstlichen Honorare von Arzt und Apotheker zusammen.

Oh - und wie er sich grämt. Zum Glück kann er mit einem überdimensionalen Klistier wenigstens abführen und sich so kurzzeitig Erleichterung verschaffen. „Oh!", jammert Argan immer wieder und fasst sich an das Hinterteil. Molière hätte sicher seine wahre Freude gehabt mit dieser selbstmitleidigen Kreatur.
Heinz Müller spielt nicht nur den eingebildeten Kranken Argan, er ist es: ein wahrer Hypochonder. Er plagt sich mit jeder nur erdenkbaren Krankheit und lässt seine schlechte Laune bevorzugt an seinem frechen, schlauen und kecken Dienstmädchen Toinette (gespielt von Stefanie Eckert) aus.

Die schlaue Dienerin Toinette und seine unglückliche Tochter Angélique umsorgen Argan
Als Toinette spielt Stefanie Eckert in der Goukelkappe ihre Premierenrolle. Theatererfahrung sammelte sie jedoch bereits vorher. Gewitzt und mit viel Charme durchschaut sie ihren Herren genau und spinnt im Hintergrund ihre eigenen Fäden. Denn leiden muss unter Argon auch seine liebreizende Tochter Angélique (Julia Stössel). Ihr Vater möchte einen Arzt in der Familie haben, denn die Arztrechnungen sind teuer. So soll Angélique gegen ihren Willen den sehr schrulligen, vertrottelten und dümmlichen Medizinstudenten Thomas (Felix Flachs) und Sohn des Arztes Monsieur Diafoirus (Thomas Pachunke) heiraten. Doch sie liebt den galanten und smarten Musiklehrer Cléante (Alexander Edler). Mit ihm liefert sie sich ein Duett- eine Liebeserklärung mit Texten im Original von Molière. Die Musik dazu komponierte Bernd Segnitz. Für beide Schauspieler die erste Gesangseinlage auf der Bühne. Argans zweite Ehefrau und hinterhältige Stiefmutter Béline (Rebecca Flachs) sähe Angélique ohnehin lieber im Kloster und Argan möglichst schnell unter der Erde.
Die hinterhältige Ehefrau Béline und ihr Geliebter Notar Bonnefoy erschleichen das Erbe Argans
Obwohl sie ihm in köstlicher „Schatzi-Hasi-Mausi-Manier" nach dem Mund redet und als „Goldfasan" oder „Sonnenschein" tituliert betrügt sie ihren Mann mit dem Notar Bonnefoy (Uwe Lay) und wartet schon gierig auf das Erbe. Für Angélique scheint alles verloren, wäre da nicht Toinette. Sie nimmt die Zügel in die Hand, schließlich kennt sie ihren Hausherren. Zusammen mit Argans Bruder Béralde (Bernd Segnitz) schmiedet sie einen Plan, um Argan davon zu überzeugen, dass es seiner Ehefrau lediglich um sein Geld geht.

Béralde überzeugt seinen Bruder, den eingebildeten Kranken Argan
Und wie sollte es bei einer Komödie anders sein: der Plan geht auf und am Ende sind alle besänftigt, zufrieden und auch entlarvt. Sogar Argon. Etwa acht Monate hat die Goukelkappe geprobt und das Stück dabei immer weiter entwickelt, geführt und begleitet unter der witzigen Regie von Tochter Carolin Edler-Mende und Vater Michael Mende.

Dienerin Toinette entlarvt die hinterlistige Béline, Argan erkennt die wahren Absichten seiner geliebten Frau
Beide haben Wert darauf gelegt, dass sich die Inszenierung im Wesentlichen an die Originalfassung hält. Doch mit viel Humor, einer überladenen Gestik und vor allem absoluter Textsicherheit schaffen die Schauspieler es, die jahrhundertealte Geschichte fast aktuell zu erzählen. Sei es der hypochondrische Argan, die kluge und gewitzte Toinette, die hinterhältige Béline, die entzückende Angélique, Béralde (Argans Bruder) oder die kleine Schwester Louison. Nicht zu vergessen Apotheker und Ärzte: Sie alle überzeugen in ihren Charakteren, was dem Publikum einen Lacher nach dem Anderen abgewinnen konnte.

Darüber hinaus ergänzen Kostüme (Laura Badicke) und Maske (Nancy Neidig, Rebecca Flachs und Steffi Bittner) die Aufführung hervorragend. Die Schauspieler betreten zeitgemäß perfekt gekleidet die Bühne, die Damen in wunderschönen Kleidern, mit aufwändigen, hochtürmenden Perücken. Die Herren in eleganten Gehröcken, Schnallenschuhen und ebenfalls tollen Perücken. Lediglich Argan mit zerzaustem Haar unter der Schlafmütze, aber mit elegantem Schlafrock über dem Nachthemd.

Auch für Bühnenbild, Licht- und Tontechnik zeichnete die Goukelkappe verantwortlich. Bernd Segnitz, Andreas Wirtherle und Mirko Hering hatten hier ganze Arbeit geleistet. Souffleuse Edeltraud Heurich kam in der zweiten Vorstellung zum Einsatz: Hier vergaß der Hauptdarsteller Argan kurz seine Stichworte für seinen Bruder Béralde - wie es eingebildeten Kranken schon mal unterlaufen kann . Ein Moment, in dem der Regie kurzzeitig der Atem stockte. Aber auch das gehört zu einer Theateraufführung.

Dem Publikum in der nahezu dreimal ausverkauften TV Halle hat es absolut gefallen, mit anhaltendem Applaus bedankten sich die Zuschauer für die mehr als gelungenen Aufführungen.

Wer diese genialen Aufführungen verpasst hat, dem seien die 12. Kraichgauer Theatertage in Sinsheim empfohlen. Am Samstag, den 14. März 2020 wird die Goukelkappe den „Eingebildeten Kranken" um 20 Uhr in der Stadthalle noch einmal aufführen. Karten sind in Kürze erhältlich.

Und im Mai 2020 freuen sich die Bammentaler auf die Co Produktion von Goukelkappe und NoName (der Bammentaler Frauenkabarett Gruppe). Dann wird das Theaterstück die „Kalendergirls" aufgeführt.

(Text: Nicole Ahrenbeck, Fotos: Holger Segnitz)